
03. July 2008 / Photo by Credit Suisse
Die Fortschritte der Informations- und Kommunikationstechnologien können für Menschen mit Behinderungen eine enorme Hilfe in der Bewältigung des Alltags sein. Jedoch sind noch weitere Verbesserungen nötig, um die bestehenden Hindernisse abzubauen.
Artikel von Anja Papp
Im Rahmen der informatica08 fand am Uetlihof der Credit Suisse die Accessibility-Tagung statt. «Accessibility» steht für den Abbau von Barrieren für Menschen mit Behinderungen. Die Referenten erzählten von ihren eigenen Erfahrungen mit den Hürden im täglichen Leben. So schilderte Alex Oberholzer mit viel Humor, dass in seiner Studienzeit die grösste Herausforderung nicht das Studium, sondern die vielen Stufen zur Bibliothek waren. Alex Oberholzer, der heute eine beliebte Kinosendung auf dem Fernsehsender Star TV moderiert, ist seit Geburt an gehbehindert.
Noch sind längst nicht alle Barrieren aus dem Alltag beseitigt. Doch haben gerade die grossen Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie in den letzten Jahren vielen Menschen mit Behinderungen zu etwas mehr Unabhängigkeit und Selbstständigkeit verholfen. Allerdings baut die moderne IT nicht nur Hindernisse ab, sondern schafft gleichzeitig auch wieder neue. «Umso wichtiger ist es deshalb, die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie konsequent an den Bedürfnissen aller Benutzer auszurichten», betont auch Claude Honegger, CIO Switzerland der Credit Suisse in seiner Begrüssungsrede am Accessibility Day. Zusammen mit der Stiftung «Zugang für alle» und der neu gegründeten Fachgruppe Accessibility der Schweizer Informatikgesellschaft, setzt sich die Credit Suisse dafür ein, dieses Problem ins Zentrum der Öffentlichkeit zu rücken.
Das Internet ist ein wichtiges Instrument für die Entwicklung zu mehr Eigenständigkeit der Betroffenen. «Dank des Internets ist es blinden Menschen erstmals möglich, bestimmte Geschäfte selbstständig zu tätigen, die bislang die Assistenz einer sehenden Person erforderten», erklärt Markus Riesch, Leiter der Stiftung «Zugang für alle» und Co-Referent von René Jaun am Accessibility Day.
René Jaun erblindete vor zehn Jahren vollständig. Heute bewertet er die Barrierefreiheit von Internetseiten für die Stiftung «Zugang für alle». Er erläutert auf der Accessibility-Tagung die typischen Programmierungsfehler bei nicht barrierefreien Seiten. Blinde User hören oder fühlen mit Hilfe eines Blindenschriftdisplays den Inhalt der Internetseiten. Hierbei ist entscheidend, ob die Links, die zu weiteren Seiten führen mit adäquaten Textbeschreibungen unterlegt sind. Wenn die Links, Graphiken und Bilder einer Seite nicht mit solchen Beschreibungen versehen sind, kann sich der blinde Benutzer auf den Seiten nicht orientieren. Der Seiteninhalt bleibt somit unzugänglich.
Aus diesem Grund setzt die Credit Suisse auf die barrierefreie Programmierung ihrer Internetseiten. Bisher ist das Direct Net, der Privatkunden-Bereich und das elektronische Magazin «In Focus» barrierefrei und von der Stiftung «Zugang für alle» mit den Zugänglichkeitsstufen AA bzw. AA+ (Bestnote) zertifiziert. An der Anpassung der weiteren Internetseiten wird gearbeitet.
«Alle Prozesse in IT wollen wir zukünftig so gestalten, dass Accessibility bei der Programmierung berücksichtigt wird», versichert Alireza Darvishy, Projektleiter der Tagung und Mitglied der Gruppe Accessibility bei der Credit Suisse. «Alle neuen Applikationen für das Credit Suisse Internet richten sich nach den Web Accessibility Guidelines. Damit wird Barrierefreiheit für alle zukünftigen Internetseiten der Credit Suisse garantiert», ergänzt Darvishy. So sollen beispielsweise neu entstehende Internetseiten in ihrer Programmierung so flexibel sein, dass sich Schriftfarbe, Schriftgrösse und Hintergrund leicht verändern lassen können.
Damit ist für die Credit Suisse das Thema Accessibility nicht abgeschlossen. Bis Ende 2008 werden in der Schweiz 200 Bancomaten umgebaut, deren Funktionen über Kopfhörer abgehört werden können. Ausserdem steht der Service in vier Sprachen zur Verfügung (Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch). «Das sind die ersten sprechenden Bancomaten der Welt, die in vier Sprachen die Bankgeschäfte der Kunden unterstützen», schätzt Darvishy. Gleichzeitig wurde die Höhe der Bancomaten so abgesenkt, dass Kunden mit Rollstühlen alle Tasten erreichen können. Ein weiterer Service im Zuge der Initiative Accessibility der Credit Suisse wird ab August 2008 verfügbar sein: der Kontoauszug in Blindenschrift. Die Kontoauszüge in extragrosser Schriftgrösse sind bereits seit Februar 2008 erhältlich.
«Durch die demographische Verschiebung wird die Gruppe der älteren Menschen in den kommenden Jahren am stärksten wachsen. Somit wird die Kundennachfrage für derartige Dienstleistungen steigen», unterstreicht Claude Honegger und weist darauf hin, dass diese Angebote auch Menschen mit altersbedingten Einschränkungen zugute kommen werden. Die Credit Suisse erfülle damit nicht nur die Bedürfnisse ihrer Kunden, sondern leiste auch einen Beitrag zur Integration von Menschen mit Behinderungen.
Weitere Informationen zum Accessibilty Day finden Sie auf unserer Medienseite. Die Videomitschnitte der einzelnen Referate finden Sie hier.