
08. October 2008 / Foto by Credit Suisse
Die Schweiz ist ein starker IT-Standort. Welche zentrale Bedeutung die IT für den Wirtschaftsstandort Schweiz einnimmt, ist der Öffentlichkeit jedoch kaum bewusst. Unternehmen können ihren steigenden Personalbedarf mit einheimischen Fachkräften nicht mehr decken und sind auf ausländische Spezialisten angewiesen. Diese Ausgangslage und ihre Auswirkungen waren Thema der Veranstaltung «Does Swiss IT Matter?»
Die über 120'000 Personen, die in der Schweiz heute in der Informatik beschäftigt sind, arbeiten in einem äusserst dynamischen Umfeld. Seit vielen Jahren nehmen die Routinetätigkeiten ab. An Stelle der Datentypisten und Locher sind zunehmend Programmentwickler, Systemtechniker sowie Projektmanager und Business Engineers getreten. Spezielle Kenntnisse der Geschäftsprozesse sowie soziale Kompetenzen werden immer wichtiger. Entsprechend hoch sind die Löhne im Bereich Informatik, die heute bei einem Durchschnitt von rund 120'000 Franken liegen, wie Paul Brodmann, zuständig für die Salärumfragen beim Verband, aufzeigte.
Die Umfragen von SwissICT zeigen weiter, dass im Berufsfeld Informatik eine zunehmende Spezialisierung feststellbar ist, und dass es für die Firmen in der Schweiz seit 2005 immer schwieriger geworden ist, hochqualifizierte IT-Fachkräfte zu finden. Den Grund für diese Entwicklung sieht Prof. George Sheldon von der Universität Basel in erster Linie im Platzen der sogenannten IT-Blase um die Jahrtausendwende. Nach Meinung des Arbeitsmarktspezialisten führen solche gravierenden Entwicklungen in einer Branche zu einem markanten Stelleneinbruch, der potenziell an Informatikberufen Interessierte abschreckt. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung wirkt sich das dann deutlich auf die Anzahl der Studienbeginner aus, die sich für ein entsprechendes Fach entscheiden. Insofern ist nach Sheldon die aktuell angespannte Arbeitsmarktlage in der Informatik nicht auf ein generelles Image Problem der Branche zurückzuführen, sondern hausgemacht.
Wie eine der grössten Informatikorganisationen der Schweiz auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes antwortet, erläuterte Claude Honegger, Chief Information Officer Schweiz der Credit Suisse. Die Antwort der Bank ist ein «Global Jobs Framework» genannter Ansatz zur Gewinnung, Beurteilung, Förderung und Entwicklung von Talenten über die ganze IT-Organisation hinweg.
Daniel Niklaus, Inhaber der Firma netlive IT AG, wechselte nach dem New Economy Crash 2002 von der Projektarbeit zur Produktentwicklung. Der niedrige Stellenwert der Produktentwicklung in der Schweiz sei nicht nur eine Folge der oft beklagten hohen Lohnkosten. Auch die besondere Branchenstruktur sei Schuld an der Marginalisierung der Produktentwicklung kritisiert er: «Während im Banking und Pharma in der Schweiz fähige Leute für eine internationale Vermarktung zu finden sind, gibt es keine für die Vermarktung von Schweizer Software.» Dass es möglich ist, auch in der Schweiz konkurrenzfähig entwickeln zu können, könne beispielsweise durch die Automatisierung der Programmierung erreicht werden. Für den Erfolg seien jedoch nicht primär die verwendeten Technologien entscheidend, sondern in erster Linie gut qualifizierte und zuverlässige Mitarbeiter.
Matthias Stutz, Präsident der Java User Group Schweiz (JUG'S) und einer der Initianten der Tagung wies darauf hin, dass Java im Bereich der Softwareentwicklung eine immer wichtigere Stellung einnimmt. Heute werden in mehr als einem Viertel aller entsprechenden Stelleninserate Leute mit speziellen Kenntnissen in diesem Bereich gesucht. Eine Erklärung dafür lieferte Stephan Hug, Chief TechnologyOfficer des Private Banking der Credit Suisse, mit seinem Beitrag. Die Technologiewahl bestimmt den Bedarf an Spezialisten, und Innovationen bestimmen die künftigen Arbeitsinhalte der Informatiker. Wesentliche Innovationen dieser international tätigen Grossbank mit mehr als 10'000 Beschäftigen im IT-Bereich basieren heute auf Java-Technologie. Bis heute wurde Java mehrheitlich zur Erstellung von benutzerfreundlichen Web-Anwendungen verwendet.
Die einzelnen Referate stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Unter den einzelnen Links können Sie PDFs der einzelnen Präsentationen herunterladen:
Das Innovationsprofil einer Grossbank im Bereich JAVA Technologie am Beispiel der Credit Suisse - Stephan Hug
Die Transformation vom Projektdienstleister zum Produktanbieter – Der Turnaround einer KMU-Unternehmung - Daniel Niklaus
Die Konjunkturentwicklung in der IT-Branche - Martin Neff
Gehaltsperspektiven und ihre Entwicklung auf dem IT Arbeitsmarkt Schweiz - Dr. Paul Brodman
Integriertes Personalmanagement in der IT-Division eines globalen
Finanzdienstleisters - Claude Honegger
Der IT Arbeitsmarkt Schweiz - Koordinationsprobleme Angebot – Nachfrage - Prof. George Sheldon
Die einzelnen Referate können Sie hier per Videostream anschauen:
Das Innovationsprofil einer Grossbank im Bereich JAVA Technologie am Beispiel der Credit Suisse - Stephan Hug
Die Transformation vom Projektdienstleister zum Produktanbieter – Der Turnaround einer KMU-Unternehmung - Daniel Niklaus
Die Konjunkturentwicklung in der IT-Branche - Martin Neff
Gehaltsperspektiven und ihre Entwicklung auf dem IT Arbeitsmarkt Schweiz - Dr. Paul Brodman
Integriertes Personalmanagement in der IT-Division eines globalen Finanzdienstleisters - Claude Honegger