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Dokumentarfilm:

Weizenbaum. Rebel at Work

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02. May 2008 / Bild by Ilmarefilm.org

In einem Dokumentarfilm gehen zwei Filmemacher dem deutsch-amerikanischen Informatikpionier und Gesellschaftskritiker Joseph Weizenbaum nach. Der Film ist eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte seines Lebens und der Informatik.

Die beiden Filmemacher Silvia Holzinger und Peter Haas wollten eigentlich einen Dokumentarfilm über Software-Grossväter und somit die ersten Programmierer drehen. Doch irgendwie gelangten sie sehr früh an Joseph Weizenbaum. Der Kontakt zu diesem Softwarepionier und Geschichtenerzähler entwickelte sich schlussendlich so, dass der ursprünglich geplante Dokumentarfilm in ein Portrait eines einzelnen Protegés dieser Gattung mündete.

Joseph Weizenbaum emigrierte Mitte der 1930er als jüdischer Flüchtling nach Amerika. Über viele Stationen landete die Familie schlussendlich in Detroit. An der Universität wird an einem der ersten Computer rumgeschraubt. Der Mathematikstudent Weizenbaum ist mit im Team. Nach dem Krieg geht er nach Kalifornien. Es ist die Geburtsstunde des Computers. im Silicon Valley wachsen noch Obstbäume. Computer werden gelötet, zusammen und wieder auseinander geschraubt. Die Softwarepioniere sind miteinander befreundet und bringen sich gegenseitig weiter. Es gibt keine Konkurrenz zwischen den einzelnen Entwicklern. Der Kalte Krieg hatte begonnen und die Computer und ihre Leistungen mussten schneller und schneller werden. Für Joseph Weizenbaum war dies eine wunderbar spannende Zeit und Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere. Ende der Sechziger wird er Professor auf Lebenszeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

1966 schreibt Weizenbaum ein Programm (Eliza), das eingetippte Sätze in natürlicher Sprache klassifizieren konnte, um darauf mit eigenen Sätzen zu antworten. So etwas war damals seiner Zeit voraus. Weizenbaum wählte als Themenbereich das Gebiet der Psychologie, in dem die Ein- und Ausgabesätze zusammen zu passen scheinen. Für den menschlichen Gesprächspartner des Computers entstand so der Eindruck, ein sinnvolles Gespräch zu führen. Für Weizenbaum eine pure Illusion, doch er musste schnell feststellen, dass er sich irrte. Denn viele Versuchsteilnehmer nahmen tatsächlich an, mit einer intelligenten Person zu kommunizieren. Bald interessierten sich Psychologenverbände für den Einsatz der Software innerhalb der Psychotherapie. Weizenbaum zeigte sich schockiert darüber, dass formale Regeln, nach denen er Eliza programmiert hatte, mit Intelligenz verwechselt werden konnten. Aus dieser Erkenntnis begann sich Weizenbaum immer kritischer mit den Mythen des computertechnischen Fortschritts auseinander zu setzen. Er liebte Debatten und förderte ein kritisches Denken unter den Informatikern. Durch seine Kritik fand ein Umdenken in der technokratisch geprägten Informatik statt. Wegen seinem Plädoyer für kritisches und ethisches Denken in den Naturwissenschaften gehören Lehrveranstaltungen zum Wechselspiel zwischen Gesellschaft und Informatik zum Bestandteil des Unterrichts an den meisten Universitäten und Fachhochschulen.

Von Joseph Weizenbaum heisst es, er habe das Geschichtenerzählen in die Wissenschaft gebracht. Im Film erzählt der Softwarepionier, der unter Informatikern zur Kultfigur avancierte, sein Leben in Anekdoten und Exkursen. Der Film ist ein Portrait einer heute fast unglaublichen Zeit und dies aus der Sicht eines verschmitzten Geschichtenerzählers, der zusammen mit den Filmemachern unzählige Anekdoten, Erinnerungen und Einfälle zusammen zu einem Gemälde fügte, dass er sein Leben nennt.

Joseph Weizenbaum starb am 5. März nach langem Krebsleiden.

Weitere Informationen über den Film und wie Sie ihn beziehen könnten, finden Sie auf der Homepage der Filmemacher

Trailer des Films

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