
07. April 2008 / Foto by Florian Kalotay
Laleh Kiser ist Mutter von zwei Mädchen im Alter von neun und elf Jahren. Sie ist begeisterte Malerin, Tennisspielerin und Tänzerin. Beruflich berät sie verschiedene Unternehmen mit Schwerpunkt auf Entwicklung.
Für Frauen gäbe es nicht viel bessere Berufe als die Informatik um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, schrieb Laleh Kiser in einem Email Mitte Februar. In einem Gespräch einen Monat später bekräftigte die selbständige Wirtschaftsinformatikerin ihre Aussage. «Man kann in der IT-Branche sehr gut Teilzeit arbeiten und vor allem lässt sich viel von Zuhause aus erledigen.» Nach der Geburt ihrer ersten Tochter und einer zehnmonatigen Pause begann sie wieder 20 bis 40 Prozent zu arbeiten. «Auch bei meiner zweiten Tochter habe ich nach dem Mutterschaftsurlaub meinen Prozentsatz langsam wieder auf 40 Prozent erhöht. Keine Mutter muss denken, wenn sie ein bis zwei Tage nicht bei ihrem Kind ist, dass sie dann etwas verpassen würde.»
Frau Kiser arbeitet zurzeit je nach Arbeitspensum 40 bis 60 Prozent. Normalerweise verbringt sie einen Tag beim Kunden und arbeitet einen Tag von Zuhause aus. «Sobald der Kunde das Vertrauen zu einem gewonnen hat, ist es absolut egal; wann, wie und wo man arbeitet. Oft arbeite ich auch noch am Abend, nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht habe.» Man denkt, dass dies für Frau Kiser als selbständige Beraterin kein Problem sei, jedoch für angestellte Informatikerinnen eher kompliziert. Dem sei nicht so, versicherte Frau Kiser weiter, sie kenne Frauen, die zwar Angestellte sind, trotzdem aber Teilzeit arbeiten und einen Teil von Zuhause aus erledigen können.
Auf die Frage warum es dennoch nicht so viele Frauen in der IT-Branche habe, entgegnet sie, dass man sehr selten etwas von Frauen in dieser Branche liest. «Auszubildenden werden noch immer viele typische Frauenjobs angeboten. Die Wahrscheinlichkeit als junge Frau in einem Pflegeberuf zu landen ist zig Mal grösser als in der Informatik. Es ist enorm, wie viel Werbung dafür und wie wenig gemacht wird, dass junge Frauen eine Lehre oder Ausbildung als Informatikerin beginnen. Leider wird auch viel zu wenig gezeigt, dass Frauen genauso gute Informatikerinnen sein können.»
Frau Kiser selbst hat nur positive Erfahrungen damit gemacht als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten. Vielleicht braucht eine Frau am Anfang ein bisschen mehr Durchsetzungswillen als ein Mann. «Zu Beginn musste ich als Frau schon mehr leisten, um gleichwertig, wie die Männer angeschaut zu werden.» Doch mit ein wenig Selbstvertrauen sollte das Vorurteil innert kürzester Zeit behoben sein und von da an, wird man als Frau sogar bevorzugt behandelt, gerade eben weil es eine Männerdomäne ist.