
02. July 2008 / Foto by Florian Kalotay
Michael Wechner ist Gründer und Inhaber des Open Source Softwareentwicklungsunternehmens Wyona. Er fährt täglich mit dem Velo 40km zur Arbeit und spürt am eigenen Leib den Mangel an gut ausgebildeten Informatikern in der Schweiz.
Ende der Achtziger kam Michael Wechner das erste Mal mit dem Computer in Kontakt. Doch abgesehen vom Macpaint und dem Spiel Asteroids konnte er der Computerwelt nichts abgewinnen. Ihn zog es vielmehr in die theoretische Physik. Mitte der Neunziger, während seiner Dissertation, entdeckte er auf einmal einen Aspekt der Informatik, den sein Interesse weckte. Ein Amerikaner brachte das Programmieren von Internetseiten ans Max Planck Institut und Michael Wechners Neugier war geweckt. «Ich fand es extrem spannend, dass man hier Sachen machen konnte, die dann auf der ganzen Welt gelesen werden konnten. Dass jeder auf der Welt auf meine Sachen zurückgreifen konnte.» Dieser weltweite Austausch von Informationen zog ihn endgültig in die Informatik rein. Er wollte seine Forschungsarbeiten öffentlich zugänglich machen und ein interdisziplinäres Journal of Pattern aufziehen. «Dadurch kam ich auf das ganze Content Management System Ding. Ich begann mich rein zu lesen und wollte selber von Null an mein eigenes System programmieren.» Er positionierte sich von Anfang an im Open Source Bereich. Einerseits weil seine ersten Sachen auf Open Source Programmen basierten, aber auch weil er nur Vorteile darin sah, wenn andere Menschen auf seine Codes zurückgreifen konnten. Für Michael Wechner gehört Open Source automatisch zum Internet. Die meisten Websites sind frei zugänglich und genauso sind es Open Source Programme.
Nach seiner Dissertation kehrte Michael Wechner wieder in die Schweiz zurück und entwickelte für die NZZ ein CMS. Da er im Tagesgeschäft nicht einfach irgendwelche Feuer löschen wollte, gründete er zusammen mit zwei Kollegen Wyona. Das IT-Unternehmen spezialisierte sich auf die Entwicklung von CMS. Anders als viele andere Open Source Unternehmen in der Schweiz entwickeln sie ihre Produkte selber und unabhängig. In den ersten Jahren entwickelten sie Lenya, das sie der Apache Foundation schenkten. Basierend auf Lenya entwickelte Wyona Websites für verschiedene Unternehmen wie zum Beispiel Globus, Die Mobiliar, Lycos oder die Universität Zürich.
Die Entwicklung eines neuen CMS kostete viel Zeit und Geld. Das Unternehmen wäre beinahe gegroundet und Wyona musste mehrere Leute entlassen, doch unterdessen ist das neue Produkt ausgereift und konnte bereits bei verschiedenen Kundenprojekten eingesetzt werden. «Yanel und Yulup funktionieren wunderbar und die Kunden sind sehr zufrieden damit. Auch die Nachfrage ist fantastisch, aber das Problem besteht darin, dass wir nun keine guten Programmierer finden.» Wyona leidet ganz besonders am Informatikermangel in der Schweiz. Als kleines Unternehmen ist es für die CMS-Entwickler alles andere als einfach, talentierte Programmierer zu finden. Die Karrieremöglichkeiten sind in einem flachstrukturiertem Betrieb wie Wyona eher klein, dazu kommt, dass sie mehr oder weniger in nur einem Bereich Produkte entwickeln, wohingegen bei einem grösseren Unternehmen die Vielfalt natürlich breiter ist. Doch damit wären die Nachteile von Wyona wohl auch schon zu Ende. Bei ihnen kann sich jeder stark entwickeln und sehr viel lernen. «Wir bieten Offenheit, die Möglichkeit in die Open Source Welt einzutauchen und sie wirklich von Innen kennen zu lernen.» Bei Wyona ist man Teil des weltweiten Open Source Netzwerkes. Das kleine Schweizer Unternehmen ist in der ganzen Community bekannt. Die Entwickler bei Wyona können sich selbst verwirklichen. «Jeder kann während seiner Arbeitszeit an Open Source Projekten mitentwickeln und seine Ideen in eine internationale Community einbringen.» Auch die Arbeitszeiten seiner Mitarbeiter möchte Michael Wechner in Grenzen halten, «niemand arbeitet bei uns mehr als 8,5 Stunden, denn längerfristig brennen die Leute aus. Ich finde, dass über längere Zeit mehr zu arbeiten ungesund ist.» Vor allem ist Michael Wechner der Meinung, dass man sich auch noch anderweitig ausleben soll. Aus diesem Grund ist er begeisterter Familienvater von drei Kindern und Velofahrer, der jeden Tag vom Horgerberg ins Maag Areal nach Zürich radelt.