
22. August 2008 / Die Teilnehmer der Olympiade
An der 20. Internationalen Informatik-Olympiade (IOI) in Ägypten holten Johannes Josi und Vladimir Serbinenko aus Villarimboud je eine Silbermedaille. Damit stellten die beiden Schweizer Teammitglieder unter Beweis, dass sie auf höchstem internationalen Niveau mithalten können und schlossen ihre unglaubliche wissenschafts-olympische Karriere mit einer beeindruckenden Bilanz ab.
Ohne Pyramiden wäre die Internationale Informatik-Olympiade in Kairo nicht vollständig gewesen. Am letzten Wettkampftag mussten die über 300 Jugendlichen aus 83 Ländern den idealen Standort zum Bau einer neuen, möglichst grossen Pyramide evaluieren. Dabei war die kostenintensive Abtragung grösserer Unebenheiten einzubeziehen und wie im echten Leben durfte das vorgegebene Budget nicht überschritten werden. Johannes Josi (17) vom Gymnasium Kirchenfeld in Bern und Vladimir Serbinenko (20) vom Collège St. Michel in Fribourg haben eine ganze Reihe von Situation akkurat analysiert und ihre algorithmische Strategie in ein schnelles Programm implementiert: Für ihre Leistung gewannen sie je eine Silbermedaille. «Wir sind stolz auf das diesjährige Team: in 17 Jahren gab es viermal Silber und nun gleich zwei weitere!» sind sich Prof. Juraj Hromkovic der ETH Zürich und Ruben Andrist, Präsident des Verein SOI, einig. Am Rande des Wettbewerbs standen die Jugendlichen von Angesicht zu Angesicht vor den Pyramiden in der Wüste, genossen eine Fahrt auf dem Nil und nahmen an sportlichen Aktivitäten teil. Heute steht als krönender Abschluss ein Ausflug ans Meer an.
Für die Schweiz am Start waren neben Josi und Serbinenko auch Adrian Roos aus Schüpfen (BE) und Sebastien Vasey aus Grand Saconnex (GE), die sich ebenfalls sehr nahe an das Edelmetall heran programmierten. Vasey gelang es, eine Aufgabe mit der vollen Punktezahl zu lösen. Roos, der noch mitten im Gymnasium steht, erreichte die drittbeste Teamleistung und zeigte sehr viel versprechende Ansätze. Dass man im richtigen Augenblick die richtige Strategie wähle, habe hauptsächlich mit Training und Routine zu tun, meint Prof. Hromkovic und bescheinigt allen Teammitgliedern höchstes Potential. Der Erfolg der vier Autodidakten sei umso höher zu werten, als in den meisten Schweizer Mittelschulen nur die Anwendung von Programmen, aber nicht deren Entwicklung unterrichtet würde. Bei der Planung des Pharaonengartens hätten Vladimir und Johannes dynamische Programmierung verwendet, berichtet Leader Richard Kralovic aus Kairo. «Die dynamische Methode ist die Kür beim Entwurf des Algorithmus», bestätigt Prof. Hromkovic. «Hier wird der Computer angewiesen, auf effiziente Weise Teilprobleme zu lösen und diese in die Gesamtlösung einzubeziehen. Das haben Josi und Serbinenko sehr clever gemacht!» meint er schmunzelnd. Genau ein solches Vorgehen habe man sich erhofft, als man vor zwei Jahren das Training intensiviert und eine Problemlösemethodik entwickelt habe. «Mich freut neben der herausragenden Leistung vor allem die Fähigkeit der Jugendlichen, sich für ein wissenschaftliches Gebiet so zu begeistern!» findet SOI-Präsident Ruben Andrist. Der Elan der Teilnehmer 2008 sei grossartig gewesen, sie hätten einen Grossteil ihrer Freizeit investiert. Und Prof. Hromkovic reicht den Lorbeerkranz gleich weiter: Am Erfolg beteiligt seien auch die Studenten und Doktoranden, welche die Informatik-Olympiade neben Studium und Dissertation an der ETH coachen. «Sie haben unzählige Stunden für Onlinetrainingsangebote und Vorbereitungsveranstaltungen eingesetzt», betont er.
Mit diesem neuen Exploit schliessen Johannes Josi und Vladimir Serbinenko ihre unglaubliche wissenschafts-olympische Karriere erfolgreich ab: der erst 17-jährige Josi holte in diesem Jahr Silber in Mathematik und Informatik und letztes Jahr Bronze in Informatik. Serbinenko (20) holte in 5 Jahren eine Honourable Mention, zweimal Bronze und einmal Gold in Mathematik, eine Honourable Mention in Physik sowie einmal Bronze und zweimal Silber in Informatik: mathematisches Denken und Problemlösestrategien auf dem Computer scheinen sich ideal zu ergänzen. Nun nehmen sie im Herbst ihr Studium an der Universität Bern bzw. an der ETH Zürich auf – olympisch werden sie künftig als Coach in Erscheinung treten: «Die olympische Erfahrung und die altersmässige Nähe tragen viel zur speziell guten Atmosphäre an unseren Vorbereitungsveranstaltungen bei», bestätigt der SOI-Präsident, der selbst vor sechs Jahren in Yong-In, Südkorea, an den Start ging.