
15. April 2008 / Foto by Flickr User Alvaro (Creative Commons)
Die Menschheit benutzt und verbraucht mehr Ressourcen, als die Erde wieder aufbauen kann. Nur ein wesentlich sparsamerer und sorgfältigerer Umgang mit Energie, Wasser und Nahrungsmitteln wird uns Menschen die langfristigen Lebensgrundlagen erhalten können. Die Informatik kann viel dazu beitragen.
Artikel von Christian Kobler (Forma Futura) Lorenz Hilty (Empa)
Wir verbrauchen heute pro Jahr mehr natürliche Ressourcen, als unser Planet in einem Jahr wieder aufbauen kann. Viele natürliche Ressourcen sind zudem nicht erneuerbar. Hätten alle Menschen auf der Erde unseren westlichen Lebensstandard, so würden wir mehrere Planeten benötigen, um heute den globalen Ressourcenbedarf zu decken.
Nur ein wesentlich sparsamerer und sorgfältigerer Umgang mit Energie, Wasser und Nahrungsmitteln wird uns Menschen die langfristigen Lebensgrundlagen erhalten können. Ohne Verlust von Lebensqualität mit weniger Material und Energie auszukommen, ist eine notwendige Forderung, der sich alle Wirtschaftszweige stellen müssen. Die Informatik kann zu dieser ökologischen Effizienz entscheidend beitragen.
Denken wir dabei beispielsweise an die Verwendung von Energie in der Produktion von Gütern, im Transport oder beim Heizen von Gebäuden. Wenn wir uns nachhaltig entwickeln wollen, heisst das unter anderem, dass die Prozesse in der Industrie von der Entwicklung über die Produktion bis zur Wiederverwendung der Rohstoffe in den nächsten Jahren so verändert werden müssen, dass einerseits wesentlich weniger Energie verwendet wird und andererseits die natürlichen Ressourcen über geschlossene Kreisläufe wieder in die Produktionsprozesse eingebracht werden können.
Die Informatik ist hier die Schlüsseltechnologie, um unseren Bedarf an Gütern, Dienstleistungen und Wohnraum ressourcenschonend zu decken. Dabei benötigt es kreative Informatiker, welche die effizienten Steuerungen, Prozesse und Produkte der Zukunft entwickeln, um die Lebensqualität auf unserem Planeten erhalten zu können.
Unsere Lebensgrundlagen zu erhalten, bedeutet aber auch, dass wir den Einfluss der menschlichen Tätigkeit auf die Natur und deren Kreisläufe besser verstehen müssen. Welchen Einfluss haben beispielsweise Meeresströmungen auf das Klima? Welche Faktoren haben einen Einfluss auf den Wasserhaushalt einer Region? Wo werden die Menschen durch die Klimaerwärmung am meisten betroffen sein?
Bei der Beantwortung solcher Fragen sind Informatiker als Entwickler von Messtechniken, und insbesondere bei der Auswertung und Analyse der Daten unentbehrlich. Die Informationstechnologie ermöglicht uns die Ursachen, Zusammenhänge und Wirkungen von Umweltfaktoren zu verstehen. Damit können wir den Einfluss der menschlichen Tätigkeit auf die Kreisläufe so gestalten, dass wir natürliche Gleichgewichte erhalten und fördern können. Die Umweltinformatik, ein Spezialgebiet der Informatik, setzt sich seit über 20 Jahren mit diesen Themen auseinander (siehe z.B. www.enviroinfo2008.org oder www.swiss-experiment.ch).
In Zukunft sind vermehrt Informatiker gefragt, welche sich mit den Kreisläufen der Natur beschäftigen und die zusammen mit Naturwissenschaftlern wie beispielsweise Biologen, Meteorologen, Soziologen, Geologen aussagekräftige Modelle entwerfen und entwickeln können.
Die Informatik ist aber auch gefordert, den Energieverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien in Zukunft stark zu reduzieren. Darüber hinaus müssen bei der Produktion und Entsorgung von Computern neue Wege gefunden werden, um den Verbrauch seltener Rohstoffe zu reduzieren und um die teils giftigen Komponenten zu entsorgen oder besser noch ganz zu vermeiden. Ein ganz neues Gebiet ist die Entwicklung energiesparender Software, die die Tatsache nutzt, dass Programmabläufe konkrete Auswirkungen auf den Energieverbrauch der Prozessoren haben.
Zusätzlich zu den Informatikern für die Entwicklung von neuer Computerhardware sind hier also auch Software-Architekten gefragt, welche die Rechnerarchitekturen der zukünftigen Systeme im Hinblick auf Energieeffizienz und bezüglich Schonung der Rohstoffe optimieren.
Der Informatiker ist ein wichtiger Gestalter einer nachhaltigen Zukunft. Dieses Berufsfeld bietet vielfältige Möglichkeiten, sich für die Erhaltung der menschlichen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten einzusetzen.