
29. May 2008 / Foto by Credit Suisse
Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit haben die olympischen Spiele bereits stattgefunden. Während vier Tagen traten in Zürich zwölf Nachwuchsinformatiker zum Final der Swiss Olympiad in Informatics (SOI) an und versuchten sich an komplexen Aufgaben. Unter den Teilnehmern war auch der 19-jährige Yannick Stucki aus Adligenswil.
Artikel von Christa Wüthrich
Den letzten Schultag verpasst man nicht. Eine Ausnahme macht Yannick Stucki aus Adligenswil. Statt an der Kantonsschule Luzern zum letzten Mal die Schulbank zu drücken, sitzt er am Freitagmorgen, dem 16. Mai 2008, in einem fensterlosen Raum des Credit Suisse Gebäudes Üetlihof in Zürich. Kein Tageslicht, eine Unmenge von Kabeln und Computern. Düstere Aussichten, denkt sich der Laie – und irrt. Yannick Stucki möchte an diesem Freitagmorgen nirgends sonst sein. Nach mehreren Versuchen in den vergangenen Jahren hat der 19-Jährige die Endrunde der Schweizer Informatik-Olympiade (SOI) erreicht. Dort hat er die Möglichkeit, sich für die Finalissima in Ägypten zu qualifizieren. Vier der zwölf Teilnehmer vertreten dort die Schweiz an der Internationalen Informatik-Olympiade. Für Yannick Stucki ein reizvolles Ziel, doch auch nicht mehr. «Wenn es schliesslich nicht klappen sollte mit der Qualifikation, habe ich nichts verloren. Im Gegenteil», betont der Nachwuchsinformatiker.
Während der Vorausscheidung der SOI hatte Yannick Stucki die Möglichkeit, mit verschiedenen Experten aus der Informatikbranche Kontakte zu knüpfen. Es hat sich gelohnt. Vor Beginn seines Informatikstudiums an der ETH Zürich im Herbst wird der junge Informatikfan bei der Credit Suisse in Zürich ein Praktikum absolvieren. Die Endrunde der SOI ist somit für ihn ein Heimspiel. Unter Druck fühlt sich der zukünftige Student jedoch nicht. «Mein grosses Ziel war die Teilnahme am Informatik-Trainingscamp in Davos im Februar – und das habe ich erreicht», erklärt er. Mit den anderen Finalisten bereitete er sich während einer Woche auf die Endrunde vor. Er schwärmt vom guten Essen, vom Jassen und Snowboarden, doch vor allem von der Möglichkeit zu lernen. Die Programmieraufgaben zu knacken, sei der Reiz; der Weg hin zur Lösung die Faszination. Die Herausforderung dabei sei, in kürzester Zeit die optimale Lösung zu finden – ohne die Geduld zu verlieren. «Man muss sich das Ganze vorstellen wie ein Sudoku oder ein Kreuzworträtsel – nur auf einem höheren Niveau», erklärt der Informatikkenner. Er spricht dabei von hochkomplexen Programmiervorgängen und strahlt.
Die Teilnahme an der SOI sei für ihn Spass und nicht Pflicht. Angeregt durch einen Kollegen hat Yannick Stucki während des ersten Jahres an der Kantonsschule mit Programmieren begonnen. Die Feinheiten und Facetten hat er sich selbst beigebracht mit Hilfe von Büchern und dem Internet. Den eigenen Programmierprojekten folgten kleine Aufträge von Aussenstehenden. Während eines Zwischenjahres in Toronto besuchte der Kantonsschüler Kurse in «Computer Engineering» und ergänzte damit sein Fachwissen. Trotz grossem Einsatz und Können betont der Nachwuchsinformatiker, dass Programmieren nicht sein Leben bestimme. Computerfreund heisst nicht Menschenfeind. Mit der gleichen Begeisterung, wie er Programmierprobleme knackt, spielt Yannick Stucki in einem Orchester Kontrabass und ist ein aktives Mitglied des Rugby Clubs Luzern. Er ist ein Teamplayer. Als Einzelkämpfer zu agieren, so wie beim SOI Final, ist für ihn eine Ausnahme. Als Gegner sieht er die elf anderen Finalisten trotzdem nicht. «Wir sind in erster Linie nicht Konkurrenten, sondern Kollegen.»
Schliesslich hat es Yannick Stucki nicht ganz gereicht zur Finalteilnahme in Ägypten. Immerhin konnte er sich nach einem missratenen ersten Tag, wo er nur den zwölften Zwischenrang belegte, in den folgenden drei Tagen noch auf Platz 10 vorarbeiten. Doch die nächste Chance kommt bestimmt.